Vor 400 Jahren, am 7. Februar 1626, starb der Stifter von St. Michael, Herzog Wilhelm V. („der Fromme“) von Bayern, an dessen prunkvolle Hochzeit 1568 mit Renata von Lothringen noch heute das Glockenspiel am Münchner Rathaus erinnert.
In Landshut von Jesuiten erzogen, setzte Wilhelm V. den gegenreformatorischen Kurs seines Vaters zur Sicherung der Herrschaft der Wittelsbacher äußerst rigoros fort. 1583 legte der großzügige Förderer von Bildung, Kunst und Wissenschaft den Grundstein für St. Michael und ließ sich an der Fassade mit dem Modell seiner Kirche direkt neben den damaligen Kaisern abbilden. Ein Grabmal riesigen Ausmaßes kam jedoch nicht mehr zur Ausführung.
Der ständig in Geldschwierigkeiten steckende Herzog ließ nicht nur Zauberer hinrichten, die aus Blei kein Gold machen konnten. In seinen letzten Regierungsjahren nahm die Zahl von Hexenverfolgungen zu mit grausamen Hinrichtungen in ganz Bayern.
Seine Bauprojekte brachten den Staat an den Rand des Bankrotts. Geplagt von Depressionen sowie religiösen Skrupeln dankte er kurz nach der Einweihung von St. Michael ab und lebte zunächst zurückgezogen in religiöser Einkehr mit seiner Frau Renata in Schleißheim.
Nach deren Tod zog er ins Jesuitenkolleg und lebte dort noch fast 24 Jahre wie ein Mönch, wo er oft mehrfach täglich am Gottesdienst teilnahm.
In unserem Archiv verwahren wir die Bußgewänder Wilhelms V. und Renatas von Lothringen – ein Überwurf, ein Skapulier und eine Art Pump-Hose des Herzogs sowie die korsettartige Weste seine Frau, alles raue Stoffe aus Hanf, Ross-, Hunde und sogar Menschenhaar, die auf der bloßen Haut getragen wurden. Bereits in frühchristlicher und mittelalterlicher Zeit war das Tragen von "härenen" (rauen) Gewändern als Zeichen der Buße, Askese und zur Kasteiung gebräuchlich. Die Bußgewänder sind somit besondere Botschafter für das religiöse Verständnis des herzöglichen Paares. Wilhelm V. hatte sicherlich nicht nur das Beispiel Johannes des Täufers vor Augen, sondern auch den Hl. Ignatius von Loyola in seiner frühen Zeit in Manresa als Büßer und Beter. Von ignatianischer Spiritualität geprägt lautet auch sein herzoglicher Wahlspruch „Erkenne, bereue, bessere“ (lat. Agnosce, dole, emenda).
Im Rahmen von kunsthistorischen Führungen mit dem Titel „Kleidung als religiöse Botschaftsträgerin“ konnte Frau Dr. Andrea Kluge jetzt die Bußgewänder sowie einige Gemälde des Stifterpaares in St. Michael einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.
Herzog Wilhelm V.
(* 29. September 1548; † 7. Februar 1626)
Stifter von St. Michael