Foto: Robert Haas
Schon als ich vor 30 Jahren ein erstes Mal in die Jesuitenkommunität von St. Michael zog, erlebte ich den „Beichtbetrieb“ als Herausforderung. Jeder von uns Patres verbringt wöchentlich einige Stunden im Beichtstuhl. Da gibt es Stoßzeiten, wie in der Karwoche.Aber selbst an ruhigeren Tagen habe ich mir schon oft gesagt: Dafür, dass dieser eine konkrete Mensch jetzt noch sein Paket abladen, loswerden konnte, und ein bisschen Verständnis und Hilfe fand, dafür sitze ich gern eine Zeit lang quasi untätig im Beichtstuhl und warte.
Für Menschen da zu sein - versuchsweise auf die Art Jesu für Menschen da zu sein - das ist ja nicht die schlechteste Beschreibung für den Beruf des Priesters, überhaupt für die Kirche. Hier findet sich eine konkrete Gestalt dafür, eine, die an diesem Ort mitten in der Großstadt nach wie vor (oder wieder?) gefragt ist. Es gibt weniger Routine, weniger Vorgehen nach Beichtspiegel. Dafür mehr suchende, fragende Menschen aller Altersstufen, die spüren, dass etwas nicht stimmt in ihrem Alltag, die etwas in Ordnung bringen wollen. Und oft benennen sie mit großer, überwältigender Aufrichtigkeit ihre Unsicherheit, ihr Versagen und ihre Schuld.
Foto: SJ-Bild Alexander Maier
In der Beichte darfst du schwach sein, was du ja sonst weitgehend nicht mehr sein darfst in unserer erbarmungslosen Leistungsgesellschaft. Anders ausgedrückt: hier darfst du wahrhaftig sein, darfst sein, wie du bist, musst nichts ausblenden oder verstecken. Und du kannst frische Wahrhaftigkeit auftanken, neues Selbstbewusstsein, Kraft zur Annahme deiner Grenzen. Du findest Erbarmen.Auch das ist Kirche, Angebot der Kirche im Auftrag Jesu, ist lebendiges, wahrnehmbares Evangelium. Wenn man sich erinnert, biblisch und theologisch, woher das Sakrament der Versöhnung kommt, dass es seinen Ursprung in Ostern hat (Joh 20,23), dann ist hier die Rede von einem Geschehen im Zentrum von Kirche - mittendrin in der City.
So gesehen muss es das Angebot der Beichte in der Kirche immer geben, auch und gerade in St. Michael. Es ist, mit Verlaub gesagt, ein hochmodernes Angebot: Gottes Barmherzigkeit für die Menschen, für die Welt.
P. Matthias Huber SJ