News - Frauenpredigten

Frauenpredigten: Wunsch nach Wandel

Laien dürfen in Wortgottesdiensten predigen, in Eucharistiefeiern jedoch nicht. Diese kirchenrechtliche Regelung steht seit Jahren in der Kritik. Schwester Susanne Schneider MC fordert mehr Gerechtigkeit – und hat in München bereits Erfahrung mit Frauenpredigten.

Nach dem Willen der Deutschen Bischofskonferenz sollen Frauen und nichtgeweihte Männer künftig in katholischen Messen predigen dürfen. Dafür wollten sie in Rom um Zustimmung bitten. Wie sieht die derzeitige kirchenrechtliche Regelung zur Laienpredigt aus?

Im Wortgottesdienst dürfen Laien predigen, aber nicht in der Eucharistiefeier. Das ist schon lang in der Diskussion und war auch ein großes Thema beim Synodalen Weg in der deutschen katholischen Kirche. Im Nachgang zum Synodalen Weg hat die Deutsche Bischofskonferenz im Februar beschlossen, dass man in Rom nachfragen möchte, ob man nicht Frauen und nichtgeweihten Männern, also Laien insgesamt, erlauben könnte, in der katholischen Messe zu predigen.

Was sind denn die Argumente dagegen?

Die Kirche behauptet, Jesus hätte das nicht gewollt und als Treue zum Vorbild ihres Herrn sei sie nicht berechtigt, Frauen zu weihen. Diese Argumente sind durch die Tradition begründet.
Ein weiteres Argument ist zum Beispiel, dass die Jünger Jesu Männer gewesen seien. 
Manchmal wird auch mit der Schöpfungsordnung argumentiert, der Mann sei der Erstgeschaffene und so weiter und so fort. Das alles lässt sich längst widerlegen. 
Die Frage ist grundsätzlich: Geht es hier um Argumente oder um Macht und um Recht einer bestimmten Gruppe, nämlich des Klerus, die sagt: „Wir sind näher dran an Gott und können das Wort Gottes, das ja der Gegenstand der Homilie sein soll, besser auslegen“?

Was würden Sie sich mit Blick auf die Laien- und Frauenpredigt wünschen?

Als Erstes Gerechtigkeit. Ich denke, dass Männer und Frauen, wie es in Galater 3,28 geschrieben ist, vor Gott dieselbe Würde haben. Das schließt dieselben Rechte ein. 

Gott hat die Menschen als Männer und Frauen geschaffen, beide erlöst und beide mit dem Heiligen Geist ausgestattet, und deswegen denke ich, dass beide Geschlechter auf ihre Art in Verbindung leben zu Gott und aus dieser Verbindung heraus die Schrift lesen und auslegen sollten. 

Es gibt ja dieses berühmte „Die Frau schweige in der Kirche“. Das ist zeit- und kulturbedingt. Es ist heute so, dass Frauen wie Männer, sofern sie das möchten, Aufgaben in unserer Gesellschaft übernehmen dürfen und dass es zeitgemäß ist, wenn man Frauen eben nicht auf Haushalt und Kinder reduziert.

Sie und andere Frauen haben bereits während der Abendmesse in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael gepredigt. Wie ist diese Initiative entstanden?

Ich bin Ordensfrau der Missionarinnen Christi und wir beten gemeinsam. Bei uns spielt auch die Stille eine große Rolle, aber ich bin auch sehr eucharistieverbunden und besuche regelmäßig die Messe in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael. Das stimmt auch insofern, als die ignatianische Spiritualität gut zur Spiritualität unserer Gemeinschaft passt. 

In St. Michael schätze ich die Musik und manchmal die Predigt, habe aber festgestellt, dass in puncto Frauen wie üblich leider einfach kein Plan da ist, dass die nicht informiert sind, was die aktuelle Exegese sagt, dass die zum Beispiel furchtbare Marien-Orationen runterbeten, ohne mit der Wimper zu zucken, dass es dort wimmelt von „Vätern“ und „Herren“. Also, dass die da manchmal ein bisschen unsensibel sind und gar nicht merken, dass Frauen ausgeschlossen sind. Das ist sowieso ein großes Problem, dass das gar nicht bewusst ist. 

Ich bin dann, auf meiner Suche nach einer besseren Liturgie, bei den Jesuiten auf offene Türen gestoßen, bin dann zu den Ordensfrauen im Erzbistum gegangen und habe dort Schwester Barbara Bierler angesprochen. Dann haben wir noch eine dritte Ordensfrau dazu genommen – das war damals Schwester Sara Thiel – und haben beschlossen: Wir möchten einmal im Monat eine Predigt von einer Frau über eine Frau aus der Kirchengeschichte oder aus der Bibel oder über sonstige Frauenthemen. Und so ist es gekommen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit diesen Frauenpredigten gemacht? Gab es auch kritische Reaktionen?

Die Leute sind dankbar, wir haben sehr viel Bestätigung gekriegt. Es gibt auch Frauen, die kommen extra aus diesem Grund oder hören sich die Predigten im Internet an. 

Einmal wurde der damalige Kirchenrektor Pater Karl Kern angesprochen, dass das nicht erlaubt sei. Er hat das dann im Sand verlaufen lassen. St. Michael ist ja relativ nah am Dom und wird natürlich auch beobachtet, aber solange es da keine größeren Widerstände gibt, wird das alles toleriert. 

Es ist ja so, dass das Thema Frauenpredigt so inkonsequent gehandhabt wird, weil es in vielen Pfarreien zu wenige Priester oder zu wenig Deutsch sprechende Priester gibt oder die Priester überfordert sind. Dann ist man ganz froh, wenn jemand anderes predigt und da kann es dann schon mal passieren, dass eine Frau predigt.

Oder ich kenne zum Beispiel eine Frau, die schreibt in der Zeitschrift „Prediger und Katechet“ und dann lesen die Pfarrer am Sonntag ihre Predigt vor. Da kann man schon fragen: „Oh, oh, oh, was sagt da der liebe Gott dazu?“

Karin Hammermaier, Redakteurin [inne]halten.


Der Text ist freundlicherweise übernommen aus [inne]halten, dem Magazin für Gesellschaft, gutes Leben und Spiritualität.