News - Impuls September

Geistlicher Impuls September 2021

Hauptsache, man wird nicht erwischt?

Wer auf der Ludwigstrasse mit dem Rad in Richtung Siegestor fährt, kommt an Ampeln vorbei. Vor der Staatsbibliothek und vor St. Ludwig gibt es auch eigene Ampeln für Radfahrer. Die Farbe Rot gilt auch ihnen: Anhalten! Manche ignorieren das: Indem sie ungeniert durchfahren. Oder indem sie den Fahrradstreifen verlassen, rechts über den Gehsteig fahren und dann auf Höhe der Treppe zur Stabi auf den Radweg zurückkehren.

Ich komme mir blöd vor, wenn ich stehenbleibe und ganze Kolonnen an mir vorbeiradeln. Wenn solche Radler dann direkt in die Arme von Polizisten fahren, die diese Praxis kennen (und abkassieren), freut mich das. Erwischt!

Lohnt Ehrlichkeit? Ist Schummeln erlaubt, gemäß dem Motto: „Hauptsache, man wird dabei nicht erwischt“? Solche Fragen gelten für viele Lebensbereiche. Wir alle kennen Situationen, in denen wir ganz genau wissen: So oder so müsste ich tun! Aber ich tu’s nicht. Wir unterlassen dies oder jenes – weil es ohnehin niemand sieht, es keinem wehtut, es keiner kontrolliert ... Schön blöd also, wer sich daran hält?

Sie merken schon: Es geht nicht nur um Verkehrsregeln. Wobei das Überfahren einer roten Ampel nachts auf menschenleerer Straße sicher etwas Anderes ist etwa das Nicht-Tragen einer Maske trotz Erkältungssymptomen.

Kirchliche Gebote sind (wie Dogmen) „geronnene Erfahrung“. Hinweisschilder sozusagen, die ihren Grund und meistens auch ihre Berechtigung haben. Christen sind keine „Untertanen“ eines Bischofs (mehr) oder „unmündige Kinder“. Aber eben auch nicht „vogelfrei“. Ob ich erwischt werde oder nicht, ob ich mich erwischen lasse oder nicht: Richtig bleibt richtig und falsch bleibt falsch. Wir haben die Wahl.

ANDREAS R. BATLOGG SJ

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P. Andreas Batlogg SJ
Seelsorger
andreas.batlogg(at)jesuiten.org