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Impuls Februar 2026

Sich in Geduld üben

Wer geduldig wartet, bekommt... meistens nichts. Geduld ist nicht gerade angesagt heutzutage. Normalerweise zählen in unseren Tagen eher schnelle Empörung, maximaler Druck und lauter Protest. Geduld ist eine eher vergessene Tugend. Wobei sie in der Bibel einen hohen Stellenwert hat. 

„Geduld, Geduld“, singt der Tenor in Bachs Matthäuspassion, fast so, als wenn er die Gedanken Jesu aufgreifen will, der nach den Lügen, die gegen ihn vorgebracht werden, lieber schweigt, weil er darauf vertraut, dass, wenn einer für ihn eintritt, es dann „der liebe Gott“ ist.

Sich in Geduld zu üben, darunter leiden viele Menschen geradezu. Geduld erscheint wie eine Passion, weshalb sie für mich sehr gut zur Passionszeit passt. Viele fassen für diese 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern bestimmte Vorsätze, wie keinen Alkohol zu trinken oder weniger ungesund zu leben. Beim Zugehen auf die Fastenzeit hilft mir diese „Geduld“-Arie. Denn die Geduld fordert mir etwas ab. Zum Beispiel Passion, Solidarität, Leidensfähigkeit, oder – ganz einfach gesagt – warten können. 

„Geduld ist der lange Atem der Leidenschaft“, hat der evangelische Theologe Eberhard Jüngel einmal gesagt. In der Bibel bedeutet Geduld Durchhaltevermögen und Widerstandsfähigkeit, und die Kraft dazu gibt die Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit. „Ich muss jetzt Geduld lernen“, sagen Menschen, die sich bei einem Sturz oder Unfall Arme oder Beine gebrochen haben und mit dieser Einschränkung die Bewegung neu einüben müssen. Geduld und Langmut sind für Paulus eine „Frucht des Geistes“. Er rät, uns vom Geist entflammen zu lassen, um dem Herrn zu dienen: „Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!“ (Röm 12,12). 

Denn: Gott selber ist unendlich „barmherzig und gnädig und geduldig“. Seine Geduld, die er im Blick auf uns Menschen „aufbringt“, ist schon ganz besonders. Das war schon bei Adam und Eva oder in den Tagen Noahs so, und das muss wohl heute erst recht so sein. Denn der Herr der Verheißung ist geduldig mit uns, „weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle zur Umkehr gelangen“ (2 Petr 3,9).

Einmal wird Ostern sein, haben wir unsere Fastenpredigten überschrieben. Bis dahin dürfen wir geduldig und hoffnungsvoll der großen Freude entgegengehen. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Segen dazu! 

P. Martin Stark SJ