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Impuls Mai 2026

ganz.schön.schwer

ganz
„Ich will das ganze Leben!“ sagt eine junge Frau in einem Film zu dem Mann, mit dem sie ihr Leben teilen will. Ich will das ganze Leben. Mir scheint es wie eine Überschrift über das Leben Marias. Sie begegnet uns als junge Frau aus Nazareth am Anfang des Lukasevangeliums. Ohne Scheu lässt sie sich ein auf das Gespräch mit dem Engel. Ich habe die Darstellung im Regensburger Dom vor Augen. Maria steht dem Engel gegenüber, mit einem Lächeln im Gesicht, aufrecht und frei, voller Würde und  Selbstbewusstsein. In Freiheit gibt sie ihre Antwort auf die unerwartete, ungeheuerliche Botschaft. Bereit, von Gott ihre Pläne durchkreuzen zu lassen. Bereit, sich ganz einzulassen auf ein Leben mit Gott, ohne zu wissen, was ihr Ja mit sich bringen würde. Bereit, dieses besondere Kind Jesus zur Welt zu bringen.
schön
Maria mag voll Vorfreude sein, als sie zu ihrer Verwandten Elisabeth eilt, um ihr von ihrer Schwangerschaft zu erzählen – und wohl auch voll Bangigkeit. Sie hat ihre ältere Cousine als Vertraute und kann sich verlassen auf Josefs Treue. Ein Leben in Fülle liegt vor ihr, ein Leben mit solchen Höhen und Tiefen, die sie bestenfalls erahnen kann, ein Leben als Empfangende und Gebende.
Im Vertrauen auf Gott lobt sie Gottes Größe und freut sich an ihrer eigenen Größe, der Größe, die Gott ihr zugedacht hat.

schwer
Marias Leben – das bedeutet eine ungewöhnliche Schwangerschaft, die Geburt in schwierigen Umständen, die Flucht nach Ägypten, viele Jahre ein gewöhnliches Leben in Nazareth. Ihr Sohn Jesus, löst sich schon als Jugendlicher im Tempel aus den familiären Banden, geht als Erwachsener seinen eigenen Weg, weist seine Mutter schroff zurück, wird wie ein Verbrecher hingerichtet. Nichts,was Mütter - und Väter – erleben, bleibt ihr erspart.
Maria kann mir helfen, mein Schicksal anzunehmen, mein Leid zu ertragen, mich hindurchlieben zu lassen, von einem Gott, der mit uns ist.
Die ökumenischen Andachten an den vier Montagen im Mai möchten uns Maria nahebringen als eine Frau, die das Leben kennt, die es durchlebt und nicht ausweicht, wenn es schwer wird. Eine, die weiß, dass ein ganzes, ein volles, ein erfülltes Leben beides ist: ganz schön und ganz schwer.
Und dass Gott dieses Leben mitgeht. Treu. Voll Erbarmen und Liebe. 

Inge Höpfl